
Man kann sich heutzutage ja wirklich auf nichts mehr verlassen. Selbst die eigene Antihaltung zu gewissen gesellschaftlich fast schon geforderten Großveranstaltungen ist offensichtlich kein Schutz davor, doch hin zu gehen… Das klingt wie immer dramatischer, als es in Wirklichkeit ist. Glaube ich jedenfalls. Man muss die Feste feiern wie sie fallen (nur selber besser nicht umfallen dabei)…

Jedenfalls hat mir die liebe Petra bei unserem letzten Trip nach Xanten im Herbst vom Plan ihrer Familie erzählt, auf dem diesjährigen Xantener Karnevalszug als Fußgruppe mitlaufen zu wollen. Motto der ganzen Aktion sollte sein: “Alle sind jeck im Königreich WEIT WEIT WEG!” Und ich weiß nicht warum, aber ich war so fasziniert von der Aktion, dass ich meine lang gehegte Abneigung gegen Karneval zurückgestellt und mich im Kostüm des Esels zwischen die jecken Rheinländer gestürzt habe.

Hat’s mir geschadet? Ich denke nicht. Werde ich meine Meinung über Karneval ändern? Das denke ich ebenso wenig. Es war auf jeden Fall eine lehrreiche Erfahrung das ganze Mal von der anderen Seite her zu sehen – spießiges Kleinbürgertum; gierige, schokoladengeile Blagen und eine riesige Party auf Xantens Straßen inklusive… Werde ich das ganze beim nächsten Mal nochmal machen? Keine Ahnung. Abwarten.

Nebenbei ein interessantes Detail: Der Karnevalszug findet hier nicht am Rosenmontag statt, sondern am Sonntag vorher – am sogenannten “Blutwurstsonntag”. Blutwurstsonntag deshalb, weil vom letzten Wagen des Zuges kein Süßkram wie sonst üblich, sondern Blutwurst ins Volk geworfen wird. Muss wohl eine komische katholische Sitte sein. Die spinnen die Rheinländer…

Nachtrag: Leider habe ich nichts über den Ursprung dieser Wurstschmeißerei herausfinden können. Allerdings vermute ich folgendes Szenario:
Im Mittelalter (weit gefasster Begriff) wurde vor dem Beginn der Fastenzeit nochmal richtig die Sau rausgelassen. Die winterliche Schlachterei hatte man hinter sich (und genug Wurstwaren auf Lager), bis zur Ernte der ersten Feldfrüchte noch eine lange Zeit vor sich – evtl. wurden da während der tollen Tage Blutwürste als Almosen an die Armen verteilt?

“Die Sau rauslassen” triffts ja in dem Fall auf den Punkt. Vielleicht sollte man es in “die Innereien der Sau in verpackter Form rauslassen” umbenennen, aber ich denke das klingt nicht so gut.
Gottseidank werfen sie keine ganzen Säue von den Wägen. Das geb ne Sauerei *g*…
Fasnächtliche Grüsse
Dreamy
DANKE! XD
Wie süss!!