“Es gibt nur einen wahren Glauben!”

17 02 2008

Dies behauptet jedenfalls mein derzeitiger Lieblingssparringspartner. Im folgenden daher meine kurze Antwort auf den Appell der Herren deislam, alle Welt möge sich zum Katholizismus, dem einzig wahren Glauben bekehren:

Liebe Herren deislam,

folgende Worte kenne Sie bereits, aber ich denke, dass sie hier auch angebracht sind:

Gehen wir davon aus, dass das Göttliche unendlich groß ist. Gehen wir weiter davon aus, dass der Mensch bzw. der menschliche Verstand begrenzt ist. Schlussfolgerung: Der Mensch kann mit seinem begrenzten Verstand das Göttliche nie in seiner Ganzheit erfassen oder gar verstehen.

Gehen wir davon aus, dass der jeder Mensch ein Individuum ist und jeder Mensch eine eigene, individuelle Sicht der Welt hat. Beispiel: Man stelle sich das Bild eines Baumes auf einer Weide vor. Jeder Mensch wird sicherlich ein anderes Bild des Baumes vor Augen sehen, jedoch ist keines dieser Bilder falsch - sie sind nur anders.

Wir haben erkannt und sind uns einig, dass kein Mensch das Göttliche ganz erkennen kann. Ebenso haben wir erkannt, dass jeder Mensch eine individuelle Sicht der Welt, damit auch des Göttlichen hat. Folgerung: Jeder Mensch, der versucht, das Göttliche zu erkennen und zu verstehen, sieht und versteht nur einen kleinen Teil des Ganzen. Und jeder Mensch sieht einen ANDEREN, kleinen Teil des Göttlichen Ganzen.

Das heißt, kein Mensch kann behaupten, das Göttliche in seiner Ganzheit erfasst und verstanden zu haben. Das heißt auch, dass kein Mensch behaupten kann, alleine Recht zu haben. Denn jeder Mensch sieht einen ebenso wahren wie unvollständigen Teil des Göttlichen Ganzen. Daher kann weiterhin auch kein Mensch behaupten, die anderen häten Unrecht mit ihrer Sicht des Göttlichen.

Es liegt mir also fern zu behaupten, Ihre Sicht des Göttlichen sei falsch - im Gegenteil, für Sie ist es Ihr Weg zum spirituellen Ziel eines jeden Menschen, zur Vereinigung mit der Göttlichen Kraft.

Ich bezweifle auch nicht, dass Sie dieses Ziel auf diesem von Ihnen gewählten, weil zu Ihnen passenden, Weg erreichen werden. Meinen Glückwunsch dazu.

Ebensowenig bezweifle ich die diversen sprituellen Erlebnisse Einzelner, von der die Bücher der Bibel berichten:

Ich bezweifle nicht, dass Moishe auf dem Sinai mit dem brennenden Dornbusch sprach, dass Iob voller Vertrauen alles ertrug, dass Ezehiel und Johannes ihre bildgewaltigen Visionen hatten, dass Jehoshua während seiner 40tägigen Einkehr in der Wüste mit dem Teil seines Unterbewusstseins sprach, das ihm als “Satan” erschien.

Weiterhin bezweifle ich nicht die Visionen der Mysikerinnen und Mystiker des Mittelalters, die Visionen der Pythia im antiken Delphi, die Erleuchtung Gautama Buddhas oder das Gespräch Mohammeds mit dem “Erzengel Gabriel” in der Höhle.

Was ich jedoch aus obengenannten Gründen (Unendlichkeit der Göttlichen Kraft, Beschränktheit und Individualität des Menschlichen Verstandes und der menschlichen Wahrnehmung) sehr wohl bezweifle, ist die Allgemeingültigkeit der spirituellen Erfahrung einzelner Menschen für alle Menschen weltweit und zu jeder Zeit.
Das Lebensziel eines jeden ist, wie gesagt, die Verbindung des Einzelnen mit dem All-Einen, dem unendlichen und in jeden Ding gegenwärtigen Göttlichen. Auf welchem Weg diese Verbindung zu erreichen ist - das muss jeder für sich selbst herausfinden. Grade das ist der elementare “Knackpunkt” - die Suche, die Arbeit, die Mühe, das Verlangen nach dem Verstehen der eigenen Seele, des Göttlichen Funkens in einem selbst und damit des Göttlichen selbst (wie oben so unten, wie innen so aussen, wie im Kleinen so im Großen).

Sie berufen sich auf Ihr heiliges Buch, dessen Wert als Ihren persönlichen Wegweiser zum Göttlichen ich durchaus anerkenne. Allerdings (auch dies habe ich an anderer Stelle in diesem Blog bereits schon gesagt) gebe ich zu bedenken:

Jede Schrift (und darüber hinaus nicht nur das geschriebene, sondern auch der gesprochen Wort), ob nun die Bücher der Bibel und der Thora, der Koran, die Veden, die Sutras, die verschiedenen Versionen der Edda und so weiter, wurden von Menschen geschaffen, interpretiert, verschieden übersetzt (und damit wieder interpretiert, denn jede Übersetzung ist immer auch eine Interpretation).

Ich will unseren Dialog hier nicht in Gänze wiederholen. Wer will kann ja hier nachlesen: KLICK.

Auf einen Punkt gebracht verwiesen Sie als Beweis für die Wahrheit der Schrift auf den “heiligen Geist” und die “Selbstoffenbarung Gottes”. Doch jeder Verweis auf die Inspiration durch den Heiligen Geist kam und kommt von nichtallmächtigen, nichtallwissenden, nicht allgegenwärtigen Menschen. Ebenso ist jeder Beleg der Selbstoffenbarung “Gottes” von Menschen gemacht (Schrift, s.o.)

Wenn dieser allmächtige et cetera Gott in persona existiert und will, dass nur ein einziger Weg zu ihm zu gelangen existiert - in diesem Fall würde er in seiner Allmacht sicherlich seit Anbeginn der “Schöpfung” dafür Sorge getragen haben, dass es keinen Zweifel, keine Abweichung und keine Diskussion über seinen “Heilsplan” gibt. Jeder Mensch wüsste von Geburt an bescheid - der Wille “Gottes” stünde sozusagen in goldenen Lettern am Himmel, auf den Bergen, auf jedem Kiesel im Flussbett, auf jedem Blatt jedes Baumes und auf der Stirn jedes Menschen geschrieben. Aber dem ist nicht so.

Sie gehen Ihren Weg, der für Sie der richtige ist.
Ich gehe den Weg, der für mich der richtige ist.
An unser Ziel gelangen wir alle.

Seien Sie gesegnet.
Blessed be.


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7 Antworten zu ““Es gibt nur einen wahren Glauben!””

17 02 2008
schwindelfrei (09:24:12) :

Auch ich habe “Der Erkenntnisweg zur wahren Religion” gelesen … Und ich war überrascht, wie engstirnig und mit welcher Überzeugung für den katholischen Glauben gesprochen wird.
Jeder sollt das Recht haben, seinen Sinn im Dasein selbst zu finden - ob nun mit oder ohne Glaube an das Höhere Wesen.

17 02 2008
petersemenczuk (13:59:48) :

@ Liebe Freunde und Suchende des Schöpfer- Gott und Schöpfer- Geist.

Ich bin seit über vierzig Jahre schokiert, wenn ich höre oder lese,
Wie sich die von Gott abgefallenen Religionen, Kirchen, Tempeln und Sekten, vom Kleinsten bis zu dem größten, auf den von ihren anmaßenden und selbstberufenen Priestern und Predigern fixierten “Glauben” berufen, dass er der alleinseligmachende Glaube sei.
Wenn sie alle zusammen, die einzig wahre Theologie des lebendigen Gottes gelesen und sich vom Geist Gottes offenbaren ließen die niedergeschriebenen Zeugnisse der ersten uned wahren Christen, darüber im Angesicht Gottes und seines geistes, gesprochen und ausgelegt hätten, dann würden sie feststellen, Das der alleinseligmachende Glaube, welcher ist der allerheiligste Glaube, eine Gabe Gottes an die Seinen und, eine Frucht des Heiligen Geistes ist.
Hierrüber hat kein Papst noch Bischof noch Priester, von Gott Macht erhalten ihn, seinen Zuhörern zu vermitteln.

Es ist eine Gotteslästerung zu behaupten, dass der Glaube einer Religion, Kirche, Tempel und Sekte, der alleinseligmachende Glaube ist.
Der wahre Glaube geht, kommend von Gott, nur in die Herzen und Bewusstsein derer Menschen hinein, der den Heilsplan Gottes erfüllt hat, der alle Gerechtigkeiten Gottes bei seiner Buße und Bekehrung erfüllt hat,
Der dann für Gott wiedergeboren ist aus dem Samen Gottes, welcher ist das wahre Wort und Geist Gottes, das in ihm wohnend sein muss.
Der allein bekommt dann, das dreifache Zeugnis Gottes in sein Inneres und Bewusstsein, welches ist die Garantie des ewigen Lebens, und von Gott ausgesprochen und der neuen Kreatur Gottes verliehen.
Jesus Christus sprach zu den damaligen Schriftgelehrten und Pharisäer:
1.”Suchet in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darinnen, und sie ist es, die von mir zeugt. (Also hat die Bibel nur einen zeugenden Charakter für Christus, gleich wie die Schöpfung um uns herum, an der die Menschen erkennen sollen ,sdass es einen Schöpfer- Gott und Schöpfer- Geist gibt,denn Gott ist Geist und Gott ist Körperlos, und will auch so von dem Menschen angebetet sein.
2.”UND ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben haben möchtet”.
Wer das ewige Leben haben will, muss Christus in seinem Innern suchen, finden und gehorsam werden, dieses ist ein Prozess und erfordert die höchste Konzentration und Aufmerksamkeit.

Nicht Tempel, nicht Kirche aus Stein und Mörtel, auch kein Buch dieser Welt noch Bibel, führt den Menschen und offenbart ihm Gott in seinem Innern, sondern allein, die Anerkennung Gottes in allem, was Er durch seinen Geist fordert in seinem Innern,
die Aufnahme Jesu Christi, dass heißt, kommen zu Jesus Christus und Ihn in sein Inneres aufnehmen als den wahren Lehrer, Hirte und Bischof seiner unsterblichen Seele, und warten von einer Morgenwache zu der andern, bis der Morgenstern des neuen Tages und des neuen und ewigen Leben in ihm aufgehe wie Petrus schreibt.
“Hütet euch von den “Frommen” dieser Erde,
Die ihren Gott im Himmel oder in einem Buch haben, und sie auf Erden den Menschen, von einem “lieben” Gott erzählen wollen ,den sie selber nicht gesucht noch erfahren haben, der sie selber nicht berufen, zubereitet in der einzig wahren und heil bringender Theologie, erwählt noch legitimiert hat, weder als Christen und Saat Gottes auf Erden,
noch als seine Diener, Bischöfe, Priester Päpste und Propheten etc.
Dieses sind Worte Jesu Christi und es sind Worte der Wahrheit und Gewiss -heit: “Lasset sie fahren! Sie sind blinde Blindenleiter. Wenn aber ein Blinder den anderen leitet, so fallen sie beide in die Grube”. UND:
“Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht pflanzte, die werden ausgereutet”.
Christus steht auch heute vor der Herzenstür aller Menschen und bittet um Einlass.Er sagt: So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl/wahre Eucharistie mit ihm halten und er mit mir”.
Dieser Weg und dieses Geschehen ist kostenlos und umsonst, aus lauter Gnade und Wahrheit Gottes.
Der Bund mit Christus zu einer wahren heiligen Verbindung, Vereinigung und Gemeinschaft zu kommen hält für alle Ewigkeiten im Reich Gottes, beginnend schon hier auf Erden und in dem Innern des Menschen.
Autor Peter Semenczuk

18 02 2008
Dreamdancer (09:47:15) :

Rabenzahl, ich hab Dir schon auf dem Forum zu diesem grossartigen Text gratuliert. Wirklich gelungen. Und Danke für Deinen “Einsatz” mit dem Du vielen aus dem Herzen sprichst.

@Peter
Netter Text, wenn er nicht auch implizieren würde, dass nur das Einlassen von “Christus” den Weg “zu Gott” öffnet.

Ein bisserl doppelmoralig. Oder ned?

Guten Wochenstart

18 02 2008
Oswald (10:49:44) :

Hi Rabenzahl!

Über Dreamys Blog hierher geführt, kann ich die voll und ganz zustimmen, bis auf eine Kleinigkeit.
Zitat:” Jeder Mensch wird sicherlich ein anderes Bild des Baumes vor Augen sehen, jedoch ist keines dieser Bilder falsch - sie sind nur anders.”
Das ist nett, aber meiner Meinung nach gibt es auch ‘falsche Bilder’. Es soll schon vorgekommen sein, das Bäume für Sträucher gehalten werden, oder Windmühlen für Riesen.

Herzlich! Oswald

18 02 2008
yaga (17:12:19) :

Lieber Rabenzahl,
vielen Dank für deine ewige Geduld, mit der du dich mit solchen Themen auseinandersetzt… ich hätte die Nerven echt nicht, solch engstirnigen, bornierten Fanatikern in diesem ruhigen, sachlichen und immer bewundernswert korrekten Ton zu antworten… ich nehm deine Erlaubnis mal vorweg und verlinke von meinem Blog aus hierher, sollte dir das unangenehm sein: kurze Mail und alles in Butter! ;)
Herzliche Grüsse
yaga

18 02 2008
Elisa (22:01:05) :

ich bin von Yagas blog aus mal wieder hierher gekommen.

Glückwunsch zu deinem Text!

Man kann auch alle Religionen gleichsam anerkennen, tolerant wie die Buddhisten - wie ich es mache.

Welche Religion ein Mensch hat ist mir persönlich ziemlich wurscht, solange er nicht versucht mich von “seiner” als die Einzig Wahre und richtige zu bekehren, insoweit gehe ich mit dir 100% konform. ^_^

Alles Gute weiterhin!

26 03 2008
Wissen, Glauben, Martyrium - Teil zwei « Rabenzahl’s Nest (19:59:01) :

[...] Martyrium - Teil zwei 26 03 2008 Ich habe mir mit meiner Antwort auf die Antwort zu meiner Antwort reichlich Zeit gelassen. Eigentlich wollte ich den Troll nicht weiter füttern, ausserdem habe ich [...]

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