
Es ist soweit. Nachdem wir bereits vor Jahren (und lange vor Hape Kerkelings Bestseller) die ersten Pläne geschmiedet hatten, ist mein lieber Freund und Geistbruder Peter gestern auf den Jakobsweg aufgebrochen.
Ursprünglich wollten wir ja gemeinsam nach Santiago pilgern; allerdings weniger aus religiösen, sondern eher aus inneren spirituellen Gründen. Selbstfindung, die Grenzen des eigenen Körpers und Geistes ausloten, herrausfinden, was seit Jahrhunderten die Menschen aus dem Haus und quer durch Europa ans “Ende der Welt” führt.



Leider habe ich beruflich bedingt keine Zeit zu dieser ca. 8 – 12 Wochen dauernden Wanderung. Bei Peter hat sich jetzt die Gelegenheit ergeben – wenn auch mit einiger Verzögerung, denn grade eine Woche vor dem ursprünglich geplanten Start im Februar meinte er sich beim Wandertraining den Fuß brechen zu müssen…
So haben wir (ausser mir noch Peters Mutter mit Lebensgefährtem, Peters Bruder und Bärchen, ein weiterer lieber Freund aus der Re-enactment-Szene) ihn also gestern an seinem 27ten Geburtstag nach Köln gebracht, wo er dann (begeleitet von allerlei guten Wünschen und Glücksbringern
) am Hauptportal des Doms gestartet ist.

Da ich ja schon nicht den ganzen Weg bis Santiago mit Peter gehen kann, hatte ich mir vorgenommen, ihn zu überraschen und zumindestens ein paar Kilometer mitzukommen. Immerhin war die Reise ja als Gemeinschaftsprojekt geplant. So ging’s dann um halb zwölf mittags los – mit dem Pilgerführer in der Hand und erstmal völlig orientierungslos
. Bis zur ersten Zwischenstation, der Kirche St. Georg in der Kölner Innenstadt, haben wir uns nach einigem hin und her dann doch durchschlagen können, aber danach verliefen wir uns völlig! Ist schon frustrierend, wenn man wochenlang Etappe für Etappe durchplant, aber schon nach den ersten Schritten völlig im Dunkeln tappt. Doch zum Glück gibt es Stadtpläne und die Bewohner des Rheinlandes zeichenen sich durch eine ausgesprochen große Hilfsbereitschaft aus. Irgendwann haben wir dann nicht nur die Systematik der Wegbeschreibung im Buch verstanden, sondern schließlich in Köln-Sülz auch die ersten Wegweiser der Jakobusgesellschaft gefunden. Diese sollten uns dann den Rest des Tages (und Peter hoffentlich auch den Rest des Weges) begleiten.


Ab hier war also alles kein Problem mehr. Einmal aus Köln raus führte uns der Weg durch nette Landschaften und Dörfer, teilweise auch auf dem interessanten und lehrreichen Römerkanal-Wanderweg, immer Richtung südsüdwest nach Brühl, dem Ende der ersten Tagesetappe. Hier trennten sich dann unsere Wege und ich fuhr zurück nach Köln und weiter nach Hause ins Ruhrgebiet, während Peter eine Bleibe für die Nacht suchen wollte.

Es war war schon ein echt krasser Tag. Es ist echt schade (da waren wir uns beide einig) dass wir diesen Weg nicht gemeinsam gehen können – aber hey, wer weiß, vielleicht in ein paar Jahren… Ich freue mich für Peter und wünsche ihm einen guten Weg, eine gesunde Rückkehr und dass er finden möge was er sucht.
Ich wünsche dir Wind im Rücken
Ich wünsche dir Sonne im Gesicht
Ich wünsche dir immer Wasser in der Flasche
Ich wünsche dir festen Boden unter den Füßen
und ein offenes Herz, ein offenes Ohr und ein offenes Auge
