Drei Kelche in Osaka - Teil 3
3 04 2008Erster April, abends. In Osaka ist im Moment Kirschblütenzeit, d.h. die Kirschbäume stehen in voll Blüte. Kirschblüten sind ein Symbol des Frühlings und der Schönheit, aber durch die relativ kurze Blühzeit stehen sie auch für Vergänglichkeit der Schönheit, für Abschied und gleichzeitigen Neubeginn. Außerdem sind sie eine Mahnung, die schönen Dinge des Lebens zu genießen, solange sie da sind.
Abseits von solch metaphorischen und philosophischen Gedanken ist die Kirschblüte hier eine Zeit der Partys. Die Menschen treffen sich mit Familie, Freunden oder Arbeitskollegen in Parks und Gärten zum hanami, Blütenbetrachten. Das ganze wirkt wie ein großes Picknick; dicht an dicht liegen Decken und Planen unter den Bäumen und die Leute amüsieren sich mit Essen, Alkohol und Gesang - dass in unmittelbarer Nähe Obdachlose ihre Nothütten aus Kartons und Plastikplanen aufgebaut haben und diese Menschen sich sicher nicht amüsieren, wird überhaupt nicht zur Kenntnis genommen.
Ein paar Bekannte von Katja hatten uns also zum hanami eingeladen, und so trafen wir uns abends am Sakura-no-miya-Park. Dieser zieht sich am Ufer des Flusses Yodo entlang. Am Vortag waren wir bereits mit der Bahn am Park vorbeigefahren und alleine der Blick aus dem Zugfenster auf das Meer von rosa Kirschblüten war überwältigend. Der Name des Parks “Kirschblütenpalast” ist nicht übertrieben. Aber auch in der Dunkelheit machten die beleuchteten Bäume vor dem Hintergrund der Großstadt etwas her.
[...] Dies war also mein diesjähriger Urlaub. Die Zeit verging wie im Flug; es war schön, wenn auch viel zu kurz - wie die Kirschblüte…. [...]